Mucken im Netz: 6 Online-Tools zur Produktion von Musik
Jun 14th, 2008 von Daniel
In den letzten Jahren entwickelte sich das Internet weiter vom Kommunikations- bzw. Informations-Medium in Richtung Anwendung. Gerade hinsichtlich der weit verbreiteten Office-Anwendungen finden sich mittlerweile eine ganze Reihe von Applikationen, die den Kinderschuhen entwachsen sind und eine echte Alternative zu den üblichen Software-Produkten darstellen. Beispiele hierfür sind u.a. Google Docs (Textverarbeitung und Tabellenkalkulation), Zoho.com (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation etc.) oder Thinkfree.com (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation etc.). Was diese Anwendungen so attraktiv macht - abgesehen von 0 Anschaffungskosten, 0 Versions-Schwierigkeiten und 0 Stress, alles hin und her schicken zu müssen - ist Kollaboration, eins der Buzzwords der letzten Jahre. Die Möglichkeit also, gleichzeitig mit Vielen standort- und plattform-unabhängig z.B. bequem an einem Dokument zu arbeiten.
Sicherlich belegt Textverarbeitungssoftware einen weltweit unangefochtenen Spitzenplatz in der Anwendungsverbreitung. Deren Pendant zur Produktion von Musik ist da wohl eher in der Nische angesiedelt. Aber auch hier hat sich was getan bzw. tut sich einiges. Allerdings bewegen sich diese Online-Anwendungen zum größten Teil eher auf noch spielerischem Niveau. Spaß macht´s trotzdem. Und einige der Applikationen lassen erahnen, was in nächster Zeit - auch in professioneller Hinsicht - noch alles möglich sein wird. Gerade in Bezug auf Musik-Produktion, denke ich, ist die Möglichkeit der Kollaboration mit Musikern auf der ganzen Welt der Motor für die zukünftige Entwicklung. Im Folgenden nun sechs Online-Applikationen, mit denen sich via Internet mucken lässt…
Hobnox Audiotool Demo
Beginnen wir mit einem Schwergewicht in meinen Augen: Das Hobnox Audiotool. Dieses Teil verschlägt einem die Sprache. Zum Einen sieht´s wirklich klasse aus. Zum Anderen lässt es sich quasi wirklichkeitsgetreu bedienen. Und was tut es? Es emuliert die beliebten DJ-Instrumente Roland TR-808, TR-909 und TB-303. Darüber hinaus lassen sich diverse Effekte wie Flanger, Delay, Reverb etc. via Tretmine dazu schalten, in dem man die entsprechende “Kabelverbindungen” legt. Die verschiedenen Komponenten können auf der Arbeitsfläche verschoben und individuell angeordnet werden. Voll geil. Einziges Manko - die fehlende Möglichkeit, seinen produzierten Track zu speichern - soll in Kürze behoben werden.
BBC OneMusic Virtual Studio Sequencer
Mit dem Virtual Studio Sequencer lassen sich auf insgesamt leider nur vier Spuren diverse vorgegebene Soundschnipsel zu einem Track kombinieren. Die Bedienung ist simpel, und der enstandene “Song” kann gespeichert und an Interessierte per Mail empfohlen werden. Für denjenigen, der sich als absoluter Einsteiger mit der grundlegenden Funktionsweise solcher Programme vertraut machen möchte, ist das vielleicht eine Lösung, die Lust auf mehr macht.
Splice
Die Plattform Splice orientiert sich stark in Richtung Community. Jedes Mitglied kann eigene Sounds hochladen und diese anderen Mitgliedern zur Verfügung stellen. Splice verfügt darüber hinaus über eine “Record”-Funktionalität, so dass akustische Signale über ein integriertes Micro oder ähnliche Schnittstellen des eigenen Computers live eingespielt und im Portal gespeichert werden können. Auf diese Weise ist eine mittlerweile sehr umfangreiche Sounddatenbank entstanden, die sich mittels Suche bequem durchstöbern lässt. Kernstück von Splice ist der Sequencer - wirklich eine ziemlich schicke Applikation. Hier lassen sich nun die eigenen Sounds bzw. die der anderen Mitglieder per Drag & Drop zusammenfügen und mit Effekten wie Flanger, Delay o.ä. versehen. Das ganze ist übersichtlich, detailverliebt und intuitiv zu bedienen. Wer sich beim Alleinemucken langweilt, kann zum Jam einladen und gemeinsam an den Tracks arbeiten. Absolut empfehlenswert!
Indaba
Indaba hat sich Kollaboration ganz groß auf die Fahne geschrieben. Deren sogenannte “Session Console” ist auch tatsächlich dazu gedacht, mit anderen Musikern gemeinsam an eigenen Stücken zu arbeiten. Diese ist so eine Art rudimentäre Mixing-Applikation, in die Wav-, MP3- oder AIFF-Soundfiles von den Session-Teilnehmern hochgeladen und eingefügt werden können. Also: Drummer schraubt Beat, hochladen, einfügen. Der Bassknurri klampft seine Line, hochladen, auf die nächste Spur setzen uswusf… Die Kontrolle über die Eigenschaften der einzelnen Tracks ist ziemlich begrenzt (laut/leise, links/rechts, fertich). Allerdings können hier die so entstandenen Songs auch wieder als MP3- oder AIFF-Datei heruntergeladen werden. Simpel und gut. In der kostenlosen Variante stehen jedem Mitglied 250 MB Speicherplatz zur Verfügung. Dieser lässt sich in der kostenpflichtigen Pro-Version auf 10 GB aufstocken.
Jam Studio
Naaa? Bock auf mucken? Mit Band? Aber keinen blassen Schimmer, wie man Gitarre, Schlagzeug, Bass oder Klavier spielt? Dann bist du richtig bei Jam Studio. Hier kann mittels einer Unmenge von Sounds aus der Konserve z.B. das eigene derbe Metallriff arrangiert und mit der entsprechenden instrumentalen Begleitung unterlegt werden. Nach knapp 4 Minuten ist dann wildes Kopfschütteln angesagt. Spaßig.
Your Spins
Man nehme ein paar Songs bekannter Interpreten wie Coldcut, Robbie Williams, Mando Dio oder Moby. Diese können bei Your Spins auf spielerische Weise “geremixt” werden. Dabei lässt sich zum Einen die Lautstärke der einzelnen Spuren (Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang etc.) regeln. Zum Anderen können diese durch bestimmte vorgegebene Sounds ersetzt und damit deren Charaktereigenschaften verändert werden. Naja, nix, was einen vom Hocker haut. Eher so eine Art Verkaufsförderung in Sachen Klingelton. Die kann man sich dann nach getaner Arbeit - selbstverständlich gegen Bares - zukommen lassen.
Das waren die dicken Fische. Hier bei Databaseaudio gibt´s ergänzend noch eine schicke Kollektion weiterer Online-Intrumente.
Habt ihr dem noch etwas hinzuzufügen? Bitte. Gerne.
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Das Hobnox Audiotool ist sicherlich eines der unterhaltenderen Art. Damit kann man laaaange Stunden verbringen.
Die anderen kannte ich noch nicht, danke!